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Über Logopädie

Verstehen und Verstanden werden, ich glaube, das wünscht sich jeder.

Ja, darum geht es in unserer Arbeit: Kommuni­kation, das heißt für uns, Ver­ständi­gung ermöglichen.

Ich sage, was ich haben möchte, der Andere hört und ver­steht und reagiert entsprechend. Eigentlich ganz einfach!?

Wie so oft im Leben merkt man erst, wenn etwas nicht wie erwartet funktioniert, wie kompliziert alltägliche Vorgänge sind.

Sehen Sie sich einige Beispiele an:

Florian

Florian ist schon dreieinhalb Jahre alt. Seit knapp einem halben Jahr geht er in den Kindergarten. Mit den Erzieherinnen und mit den anderen Kindern kann Florian sich kaum verständigen. Er kann nicht erzählen, was er am Wochenende erlebt hat und in der Bauecke wird sein toller Vorschlag nicht verstanden. Florian spricht nur wenige Wörter und kann auch noch keine Sätze bilden. Woran liegt das und wie kann ihm geholfen werden?

Florian hat eine Sprachentwicklungsstörung. Er braucht die logopädische Behandlung, um die Rückstände in der Sprachentwicklung aufzuholen. Florian muss auch in anderen Entwicklungsbereichen gefördert werden. Seine Mundmuskulatur trainiert er in den Logopädiestunden spielerisch; im Spiel lernt er auch Hinhören und Nachahmen und wie er etwas bauen kann. Je mehr Florian sich verständigen kann, umso umgänglicher wird er.

Jessica

Jessica ärgert sich, weil sie ihren Namen noch immer nicht sagen kann. Sie ist gerade fünf Jahre alt geworden, aber das K und das SCH fallen ihr noch schwer. "Sessita" sagt sie, wenn jemand fragt, wie sie heißt. Jetzt will sie es schon gar nicht mehr sagen und tut so, als hätte sie die Frage gar nicht gehört.

Jessica

Jessica hat eine Sprach­entwicklungs­verzögerung. Zwischen ihrem zweiten und dritten Lebensjahr hatte sie ganz oft Mittelohrentzündung. In der logopädischen Therapie lernt sie nicht nur spielerisch wie sie mit dem Mund ein `K´ machen kann, sie entdeckt auch, dass die Laute `K´ und `T´ ganz verschieden klingen und dass TOPF und KOPF verschiedene Dinge meinen. Jessica und ihre Eltern brauchen viel Geduld.

Sophia

Für Sophia ist das Sprechen schwierig, obwohl sie eigentlich alle Laute sprechen kann, auch Sätze kann sie richtig bilden, sie hört gut und versteht alles. Trotzdem kommt sie manchmal gar nicht weiter, als bliebe ihr ein Wort im Halse stecken. „Iiiiiiiiich“, fängt sie an zu sprechen und bis das „ich“ draußen ist, hat sie schon keine Luft mehr und dann ist sie schon recht nervös. Wenn dann der Junge aus Sophias Klasse sie auch noch nachäfft, ist es mit dem Sprechen ganz vorbei. Am liebsten würde Sophia zu hause bleiben und gar nicht mehr zur Schule gehen. Sophia stottert.

Gemeinsam mit ihrer Therapeutin hat Sophia entdeckt, was beim Stottern passiert; was die Lippen machen, was die Zunge macht, was die Stimmbänder machen. Sie ist sehr erleichtert, als sie in einer Übung herausfindet, wie sie selbst ihre angespannten Lippen locker machen kann, so dass die Wörter weich und flüssig herauskommen. Aber viel Arbeit ist das und immer wieder muss man üben.

Herr Meier

Dass er im Alter von 67 Jahren noch mal mühsam Wörter sprechen und schreiben lernt, hätte Herr Meier auch nicht gedacht. Seit seinem Schlaganfall vor einem dreiviertel Jahr kann er sich nur noch mit Mühe verständigen. Natürlich weiß Herr Meier, dass das, was da vor ihm steht, eine Tasse Kaffee ist, aber wenn er es sagen will, ist es, als läge das Wort auf seiner Zunge. „Ähm, ähm“, sagt er, „also die heiße Brühe da mein ich doch“. Manchmal sagt er auch ganz falsche Begriffe, so dass seine Angehörigen schon ganz besorgt sind.

Herr Meier leidet an einer Aphasie. Er und seine Angehörigen brauchen Rat und Hilfe. Zu Anfang war auch sein Sprechen undeutlich und beim Essen und Trinken hat er sich immer verschluckt. Das kam daher, weil der Schlaganfall nicht nur das Sprachzentrum im Gehirn geschädigt hatte, sondern auch die Hirnnerven. Die Dysarthrie und die Dysphagie haben sich durch die regelmäßigen Übungen schon gut gebessert. Für das Wörterfinden und das Schreiben braucht es wohl noch etwas länger.

Frau Kurz

Frau Kurz ist Lehrerin an einer Grundschule. Beim Sprechen vor der Klasse strengt sie sich sehr an, trotzdem wird sie kaum gehört. Ein paar mal musste sie schon zu hause bleiben, weil ihre Stimme ganz weg war. Jetzt hat der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Stimmbandknötchen festgestellt.

Frau Kurz hat eine Stimmstörung. Es ist neu und spannend für sie zu erfahren, dass beim Singen und Sprechen nicht nur der Kehlkopf, sondern der ganze Mensch von den Zehenspitzen über das Becken bis in die Daumen, der Atem, die Gefühle, die Bewegung, eben alles beteiligt ist. Alles braucht sie, um klar und kräftig, aber ohne Druck sprechen zu können.

Herr Müller

Herrn Müller hat es schwer erwischt. Der Kehlkopfkrebs hatte sich so schnell ausgebreitet, dass der Kehlkopf ganz entfernt werden musste. Herr Müller ist jetzt laryngektomiert. Nach Krankenhaus und Bestrahlung kommt er mehrmals in der Woche zum Üben in die logopädische Praxis. Noch verständigt er sich mit Gesten und einem kleinen Täfelchen auf das er Informationen für sein Gegenüber aufschreibt. Auch Herr Müller macht Atem- und Bewegungsübungen. Er will die Ruktussprache erlernen. Tatsächlich, er übt mit der Therapeutin das laute Aufstoßen und das Sprechen mit den Aufstoßtönen. Keine leichte Arbeit für ihn.